Der perfekte Baumschnitt zur richtigen Zeit

Vom Einpflanzen bis ins hohe Alter brauchen Bäume und Sträucher gelegentlich einen Beschnitt. In den ersten Jahren nach dem Einpflanzen sollte dieser sogar jährlich erfolgen. Als grundlegende Schnittregel für Laubgehölze gilt: Schneiden Sie zunächst alle Äste und Zweige heraus, die krank oder tot sind. Danach schneiden Sie alles, was nach innen wächst heraus und, als letztes, alles, was steil nach oben wächst. Für optimale Blüte und Ernte sollten Sie sich aber besser über die genauen Ansprüche der Art informieren und erst dann schneiden.

Beachten Sie: In der Zeit vom 1. März bis zum 30. September ist es nicht erlaubt, Hecken, Büsche und Gehölze abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen. Form- und Pflegeschnitte sind natürlich trotz allem erlaubt, solange keine besonders geschützten Arten dort leben und brüten. Aber auch wenn andere Vögel in Ihrer Hecke brüten, sollten Sie warten und sie erst später schneiden.

 

1. Der richtige Zeitpunkt für den Schnitt von Obst und Beeren

Je nachdem, wann Gewächse ihre Blütezeit haben, sollte auch der Rückschnitt beziehungsweise Erhaltungsschnitt erfolgen:

Gewächs:

 Februar  März April Mai Juni Juli

     August

Apfel

x x         x
Birne x x         x
Pflaume x x          
Zwetschge x x       x  
Kirsche           x x
Pfirsich   x       x x
Beerenobst x x       x x
Himbeere           x x
Brombeere   x x        
Wein   x       x x

 

Werkzeuge für den optimalen Schnitt

Für den Baumschnitt bewähren sich sowohl Astschere als auch Säge. Wichtig ist bei beiden, dass sie eine saubere, glatte Schnittfläche hinterlassen – ein optimaler Schnitt ist nur mit sehr scharfem Werkzeug möglich. Ab einer Aststärke ab rund drei Zentimeter ist der Griff zur Astsäge ratsam. Um effektiv zu schneiden, sollte das Sägeblatt mindestens die doppelte Länge der Aststärke aufweisen. Wer bei höheren Bäumen auf eine Leiter verzichten möchte und lieber mit beiden Beinen fest auf dem Boden bleibt, kann mit Schere oder Säge mit Teleskopgriffen trotzdem Triebe und Äste in bis zu vier Metern Höhe erreichen

Arbeiten Sie immer nur mit gut geschärften Baumschnitt-Werkzeugen. Damit die Klingen lange scharf bleiben, reinigen Sie diese nach jedem Einsatz und entfernen Späne, Pflanzensäfte und Harz. Wenn Sie krankes Holz entfernt haben, verwenden Sie zusätzlich Alkohol zur Desinfektion. Andernfalls übertragen sich die Krankheitserreger auf andere Bäume im Garten. Gegen Flugrost reiben Sie die Schneiden ausserdem mit etwas Öl ein.

2. Die Baumschnittstufen

Der Pflanzschnitt wird direkt nach dem Einpflanzen von Holzgewächsen vorgenommen, um das Verhältnis von Wurzel und Trieben auszugleichen. So kann auch das spätere Wachstum beeinflusst werden: Kürzen Sie den Mitteltrieb um ca. ein Drittel und die Seitentriebe um ca. zwei Drittel. Schwache Triebe schneiden Sie komplett ab.

Der Erziehungsschnitt dient bei Jungbäumen zur Vorbeugung von Fehlentwicklungen. Ausserdem bereitet er die Krone auf angedachte Funktionen vor (z. B. das Tragen von Früchten): Schneiden Sie sogenannte „Konkurrenztriebe“ (bis ca. 5 cm Durchmesser) ab. Triebe mit einer Stärke über fünf Zentimeter kürzen Sie.

Der Verjüngungsschnitt ist für stark zugewachsene Bäume und Sträucher, die eventuell schon von Misteln befallen sind, geeignet: Entfernen Sie dabei gezielt einzelne, auch grössere Äste. So erhält der Baum insgesamt mehr Luft und Licht und kann so wieder neu blühen.

3. Baumschnitt für Obstbäume

Im Februar oder März sorgt ein Rückschnitt bei Obstbäumen dafür, dass die Krone tragfähig für viele Früchte bleibt. Dabei fördert ein starker Rückschnitt das Holzwachstum, ein schwacher Rückschnitt die Fruchtansätze. Besonders die Krone sollte leicht und luftig ausgedünnt werden. Entfernen Sie auch hier nach innen beziehungsweise senkrecht wachsende Äste, da ihr Fruchtertrag sehr gering ist. Bei sich kreuzenden oder aneinander reibenden Zweigen entfernen Sie den jeweils steileren oder nach innen wachsenden Zweig.

Mussten Sie grössere Äste abschneiden, kann die „Wundstelle“ am Baum durch Pilzbefall infiziert werden. Behandeln Sie deshalb die Schnittstelle mit Wundverschluss.

 

4. Schnitt an Kleinobst

Obstbäume sind Kulturpflanzen – der Baumschnitt ist bei ihnen notwendig, um ihre Vitalität dauerhaft zu erhalten. Will man sich an einer reichen Fruchternte erfreuen, gilt es deshalb, ab und an zur Schere zu greifen.

Werden Obstbäume nicht geschnitten, verwildern sie: Die Äste wachsen kreuz und quer, es entwickelt sich eine zu hohe Blattmasse und die Früchte bleiben klein. Obstbäume werden heute vom Hochstamm bis zum Minibaum in den unterschiedlichsten Formen angeboten – entsprechend variabel gestalten sich die Schnittmassnahmen. Während der Obstbaumschnitt bei Hoch- und Niederstammbäumen im Winter zwischen Januar und März geschieht, werden die Zweige des Säulenobsts in der zweiten Junihälfte gekappt. Säulenobstbäume wachsen schlank in die Höhe und eignen sich deshalb gut für die Gestaltung eines Balkons. 

Genetisch fixiert ist diese Wuchsform aber nur beim Säulenapfel: Damit er seine Form behält, genügt es, lediglich längere Seitenzweige direkt am Stamm zu entfernen. Bei Säulenformen von Kirschen und Birnen entsteht der Säulenwuchs jedoch dank steil nach oben wachsenden Trieben, weshalb man längere Zweige auf 10 bis 15 Zentimeter zurückschneidet. 

Fruchtbehang ausdünnen

Zwergobst bildet im Gegensatz zu Säulenobst wie ein normal grosser Baum Stamm und Krone aus. Weil die Obstbäume im Kleinformat nur langsam wachsen, müssen sie kaum geschnitten werden. Wird die Krone zu dicht, sollte man allerdings ältere Triebe herausschneiden. Das anfallende Schnittgut kann gehäckselt kompostiert werden – zahlreiche Gemeinden bieten einen kostenlosen Häckseldienst an. 

Bei einer Topfkultur fällt die Ernte oft unregelmässig aus. Das liegt daran, dass vor allem Apfelbäume in Säulenform stark zu Ertragsschwankungen neigen. Bei der sogenannten Alternanz tragen sie in einem Jahr unzählige Früchte und haben dann meist keine Kraft mehr, um Blütenknospen für das Folgejahr anzulegen. Aus diesem Grund ist neben dem Schnitt ein konsequentes Ausdünnen wichtig: Pro Baum lässt man höchstens 30 Äpfel ausreifen und entfernt überzählige Früchte spätestens Anfang Juni. Das Ausdünnen ist auch bei Pfirsichen und Birnen lohnend. 

 

5. Baumschnitt für Blütensträucher

Die Gehölze freuen sich über einen regelmässigen Rückschnitt und blühen dadurch immer wieder neu. Je nach Strauch ist der Zeitpunkt eines Beschnitts aber unterschiedlich. Grundsätzlich sollten Frühjahrsblüher jedes Jahr nach der Blüte geschnitten werden. Sommerblüher dürfen im März grosszügig ausgelichtet werden.

Gemäss der grundlegenden Schnittregel sind prinzipiell vertrocknete, nach innen wachsende und sich kreuzende Zweige zu entfernen. Zurückgeschnitten wird immer knapp über einem Auge – das verhindert, dass Krankheitserreger über den gekappten Ast eindringen. Bei Sträuchern, die über längere Zeit nicht oder fehlerhaft zurückgeschnitten wurden, sollte ein Verjüngungsschnitt erfolgen: Kürzen Sie dabei das Gehölz rigoros bis auf ca. 30 Zentimeter Höhe. Doch Vorsicht: Nicht jede Strauchart (z. B. Goldregen) verträgt diese Radikalkur.

6. Kletterpflanzen zurückschneiden

 

Mehrjährige Kletterpflanzen wie Efeu, Wilder Wein, Kletterrosen oder Clematis profitieren von einer konsequenten Schnittbehandlung mit dichtem Wachstum und/oder vielen schönen, gesunden Blüten. Meist genügt ein Auslichten, vor allem ein Zurückschneiden von alten und abgestorbenen Trieben. Sommerblühende Clematis schneiden Sie im Februar stark zurück – auf etwa 40 Zentimeter Höhe. Frühjahrsblühenden Arten reicht ein dezenter Formschnitt direkt nach der Blüte.

Schneiden Sie starkwüchsige Kletterpflanzen wie Blauregen radikal im Frühjahr nach der Blüte und dann noch einmal im späten Herbst zurück (alle Seitentriebe auf drei bis fünf Knospen). Achten Sie ausserdem darauf, dass die Triebe sich ausschliesslich um die vorgesehenen Rankhilfen winden. Fehlgeleitete und noch nicht verholzte Triebe wickeln Sie konsequent ab und legen sie um die Rankhilfe.

Beachten Sie: Sind die Pflanzen zu gross geworden und es steht ein starker Rückschnitt an, sollten Sie dies an frostfreien Tagen im Februar machen.

 

Tipp

Reisighaufen für Igel schichten, Schnittgut häckseln oder Hochbeet anlegen

Wer viele Bäume und Sträucher hat, hat auch jedes Jahr viel Schnittgut. Für den Kompost ist das Holz allerdings zu dick und verrottet zu langsam. Baumschnitt mit Holz und Laub ist jedoch ideal als Unterschlupf für Igel: Schichten Sie hierfür Laub lose auf und decken es anschliessend mit einigen Reisern und Äste ab.

Als Alternative bietet sich Häckseln an. Das Häckselgut dient anschliessend als Mulch-Schicht unter Sträuchern. Wenn Sie keinen eigenen Häcksler haben, mieten sie einfach einen.

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