Farbpsychologie: So wirken Wandfarben

Jede Farbe hat eine Wirkung: auf den Raum und auf uns Menschen. Was ist dran an «Rot macht aggressiv, Blau beruhigt?»

Wer rot sieht, sollte mal wieder blau machen: Keine Frage, man schreibt Farben zahlreiche Eigenschaften zu. Sie sollen inspirieren, entspannen oder anregen, symbolisieren Hoffnung (grün), Reinheit (weiss), Trauer (schwarz) oder Liebe (rot). Sind diese – je nach Kultur unterschiedlichen – Zuordnungen zufällig entstanden, oder lösen Farben tatsächlich Gefühle aus?

Der Farbpsychologie haftet ein etwas unwissenschaftliches Image an. Das liegt vielleicht daran, dass sich Farbsymbolik (Rot steht für Leidenschaft), räumliche Farbwirkung (Rot tritt hervor) und Farbpsychologie (Rot regt an) nur schwer voneinander trennen lassen. Während die Symbolik ein geisteswissenschaftliches Thema ist, gehört die Farbwirkung zur Architektur und die Farbpsychologie unter anderem zur Neurobiologie. Geht es um die Wirkung von Farben, beeinflussen uns alle drei Aspekte.

Wie wir Farben wahrnehmen

Kaum jemandem käme in den Sinn, ein Babyzimmer in Orange oder Schwarz zu streichen. Stattdessen sollen pastellige Farben ihre beruhigende Wirkung entfalten. Rosa und Hellblau sind schöne Beispiele für Farben, die alle drei Faktoren – Symbolik, Wirkung und Psychologie – in sich vereinen. Beliebt sind neben der typischen Mädchen- oder Jungenfarbe auch Grüntöne, denn Grün steht für Hoffnung und Wachstum. Aber wieso eigentlich – und, um beim Beispiel Grün zu bleiben: Stimmt uns dieser Farbton wirklich optimistisch?

"Welche Empfindungen eine Farbe auslöst, ist sehr individuell"

Dass Grün Wachstum symbolisiert, ist naheliegend: Die Natur ist vorwiegend grün. Und da uns der Blick ins Grüne seit jeher entspannt und inspiriert, lässt sich diese Wirkung durchaus in die eigenen vier Wände übertragen. Besonders das frische «Frühlingsgrün» kann also durchaus stimmungsaufhellend wirken – ähnlich wie Gelb, das wir mit der Sonne assoziieren. Doch welche Empfindungen eine Farbe (und Farbkombinationen) konkret auslösen, ist sehr individuell und hat mit Erfahrungen, Assoziationen und Modetrends zu tun.

Architektur und Farbgestaltung

Was die räumliche Farbwirkung betrifft, so hängt diese stark von der Nuance ab. Ein kräftiges Limettengrün hat eine ganz andere Wirkung als ein dunkles Waldgrün. Hier kommt es unter anderem auf die Helligkeit und die «Temperatur» der Farbe an: Dunkle und warme Töne (Portweinrot, Olivgrün, Petrolblau) lassen die Wand näher wirken, während helle und kühle Töne (Kirschrot, Mint, Himmelblau) die Wand optisch wegrücken lassen, den Raum also erweitern. Nebst Temperatur haben Farben sogar ein «Gewicht»: So wirkt ein schwarzes Objekt schwerer als ein gelber. Deshalb sollte man zum Beispiel Stützbalken nicht in einem «leichten» Pastellton streichen.

Farben und ihre Wirkung aufs Gemüt

  • Rot und Orange: belebt, regt den Appetit an
  • Gelb: muntert auf, inspiriert
  • Blau: entspannt
  • Grün: gleicht aus und vitalisiert