Wärmedämmung spart viel Energie

Gerade ältere Häuser mit schlechter Wärmedämmung fressen einen unangenehmen und vor allem unnötig grossen Teil des Haushaltsbudgets auf. Die grösste Schwachstelle ist meist die Wärmedämmung der Gebäudehülle. Hierzu zählen alle Flächen, die warme Innenräume von kalter Aussenluft trennen, also Dach, Fassade und Keller mit allen Fenstern und Türen. Wirtschaftlich und energetisch effizient zu sanieren, setzt allerdings voraus, dass energiesparende Massnahmen sinnvoll aufeinander aufbauen. Hierbei ist es interessant zu wissen, wie hoch das Einsparpotenzial ist, wenn zum Beispiel neue Fenster eingebaut oder Aussenwände gedämmt werden. Denn nur eine optimale Kombination von Massnahmen zur Dämmung und Luftdichtheit verhindert Wärmeverluste und senkt den Energiebedarf. Planen Sie nicht nur eine einzelne Massnahme, sondern eine Komplettsanierung Ihres Objekts, dann ist sicherlich eine Energieberatung sinnvoll. Sie schafft Klarheit und ermöglicht einen ganzheitlichen Modernisierungsplan. 

Anleitung

1. Einsparpotenziale

Manche Altbauten „schlucken“ mehr als 30 Liter Heizöl je Quadratmeter Wohnfläche. Auf den ersten Blick ist so ein „Energiefresser“ allerdings nicht einfach zu erkennen. Erst eine Infrarot-Thermografie offenbart die energetischen Schwachstellen dieses typischen Einfamilienhauses (siehe Bild links) aus den 60er Jahren. Viele Hausbesitzer fragen sich aber trotzdem, ob sie jetzt Ihr Eigenheim energetisch modernisieren lassen sollen, oder ob sie besser noch warten. Aufgrund zu erwartender Preissteigerungen am Energiemarkt für Strom, Öl und Gas und Kürzungen im Bereich von Zuschüssen und Fördermöglichkeiten ist es allerdings empfehlenswert, diese Investitionen nicht auf die lange Bank zu schieben.

Wer ohnehin vorhat, sein Haus zu modernisieren, für den lohnt es sich gleich, an Energiesparmassnahmen zu denken. Das spart in Zukunft nicht nur viel Geld, sondern wirkt sich auch wertsteigernd auf das Gebäude aus und verbessert das Wohnklima. Zudem profitiert natürlich die Umwelt, da auch der Ausstoss an Kohlendioxid geringer wird. Ein Grossteil der Heizenergie lässt sich beispielsweise  zum Beispiel durch Wärmedämmung einsparen: Wer Aussenwände, Dach und Kellerdecken dämmt, kann den Heizenergieverbrauch eines Einzelhauses um etwa 35 Prozent senken. Auch alte Fenster sind wahre Wärmekiller: Ein durchschnittliches Reihenendhaus verliert 40 Prozent der Raumwärme über nicht ausreichend gedämmte Fenster. Moderne Wärmeschutzverglasungen hingegen halten die Wärme im Raum. Und das Beste: Sie holen Ihre Investition fast vollständig durch Einsparungen wieder herein, es entsteht also nur ein geringer durchschnittlicher finanzieller Mehraufwand für Sie!

2. Sanierung von Grund auf planen

Für Hausbesitzer oder Bauherren, die Energie sparen oder erneuerbare Energien einsetzen wollen, gibt es spezielle Förderprogramme von Bund und Kantone. Eine Energieberatung schafft Klarheit im Förderdschungel und ermöglicht einen ganzheitlichen Modernisierungsplan: Der Berater stellt nach seiner Analyse einen Energiepass aus, der als Grundlage für die Planung der Sanierung dienen kann. Dieser Energiepass gibt ähnlich dem Energielabel bei Elektrogeräten darüber Auskunft, wie viel Heizenergie das Haus pro Quadratmeter im jetzigen Zustand benötigt und welche Arbeiten bei der Modernisierung überhaupt sinnvoll beziehungsweise vordringlich sind.

Beachten Sie: Wichtig ist, sich rechtzeitig vor Beginn der Umbau- oder Baumassnahmen zu informieren. Denn Fördermittel stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Sind sie ausgeschöpft, wird – zumindest im laufenden Jahr – keine Förderung mehr gewährt. Häufig heisst es: Wer zuerst den Antrag stellt, erhält auch zuerst die Förderung.

So wirken Dämmstoffe: Jeder (Bau-)Stoff hat seine eigene Wärmeleitfähigkeit. Beton leitet Wärme beispielsweise sehr gut, es dämmt also schlecht. Luft ist dagegen ein schlechter Wärmeleiter. Dämmstoffhersteller nutzen diese Eigenschaften: Sie umhüllen Luft! Das mit unzähligen kleinen Luftbläschen erzeugte Material eignet sich deshalb besonders gut als Dämmstoff. Ein weiterer grosser Vorteil dabei ist, dass die Schichtdicke im Verhältnis zu anderen Stoffen (Beton, Ziegel, Porenbeton oder Holz) deutlich geringer ist – und das bei gleicher Dämmleistung!Es gibt eine Vielzahl an Dämmstoffen: Kunststoff- und Hartschaumdämmstoffe (Expandiertes Polystyrol EPS, Extrudiertes Polystyrol XPS, Polyurethan), Mineralwolle oder Mineralfaserdämmstoffe (Steinwolle, Glaswolle) Mineralische Dämmstoffe (Perlite, Schaumglas) sowie Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen (Zellulose, Flachs, Hanf, Holz). Und für jede Sanierungsmassnahme gibt es den richtigen Dämmstoff: Formstabile Platten beispielsweise eignen sich für durchgehende Dämmschichten (z. B. Aussenwand- oder Aufsparrendämmung) am besten. Dachsparren und andere Hohlräume lassen sich hingegen gut mit flexiblen Klemmfilzen dämmen. Sie füllen die Zwischenräume besonders gut aus und verhindern oder reduzieren dadurch Wärmebrücken. Spielt die Dämmstoffdicke eine vordergründige Rolle, also beispielsweise, wenn wenig Platz zur Verfügung steht (z. B. Kellerdecke), greifen Sie zu einem Dämmstoff mit sehr gutem Dämmvermögen, also möglichst niedriger Wärmeleitfähigkeit.

Beachten Sie: Grundsätzlich ist es sinnvoll nur Dämmstoffe einzusetzen, die für die geplante Anwendung bauaufsichtlich zugelassen sind. Damit ist seine Tauglichkeit für genau diese Anwendung neutral geprüft und bescheinigt.

3. Dämmung vom Dach bis zum Keller

Bestimmte Heizwärmeverluste eines freistehenden Einfamilienhauses ohne ausreichende Dämmung können durch einige energiesparende Baumassnahmen auch von handwerklich geschickten Laien selbst durchgeführt werden: Wer zum Beispiel Aussenwände, Dach und Kellerdecken dämmt, kann den Energieverbrauch um etwa 35 Prozent senken.

Beachten Sie: Einige Dämm-Massnahmen sollten Sie allerdings nur den Profis überlassen – beispielsweise die Dachdämmung von aussen!

Um Dachböden gegen Wärmeverluste zu schützen, gibt es verschiedene Möglichkeiten – eine davon ist die Zwischensparrendämmung. Diese Variante ist vor allem dann sinnvoll, wenn der bisher ungenutzte Dachboden ausgebaut werden soll. Ziehen Sie aber in jedem Fall einen Fachmann zu Rate, bevor Sie eine Entscheidung für eine bestimmte Dämmkonstruktion wählen.

Weitere Informationen finden Sie im BAUHAUS Ratgeber Dach von innen dämmen.

Wenn Decken unter nicht oder nur selten beheizten Dachböden oder direkt unter Flachdächern liegen und nicht ausreichend gedämmt sind, entweicht die Wärme fast ungehindert nach oben. Eine wärmedämmende Unterdecke schafft Abhilfe, indem sie für eine thermische Trennung von beheizten und unbeheizten Stockwerken sorgt.

Weitere Informationen finden Sie im BAUHAUS Ratgeber Zimmerdecke nachträglich dämmen.

Einen erheblichen Heizwärmeverlust über die Aussenwände können Sie bei einem Einfamilienhaus allein durch das Dämmen der Fassade deutlich reduzieren. Dabei werden Dämmstoffplatten direkt auf eine entsprechend vorbereitete Fassade geklebt. Der Überzug mit einem speziellen Armierungsgewebe schützt das Material vor Beschädigungen durch Risse und sorgt für Schlagfestigkeit. Ausserdem: Die Bausubstanz wird durch die Fassadendämmung vor Schäden durch Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit, Schimmelbefall oder Algenbewuchs geschützt und sorgt so für ein viel angenehmeres Wohnklima.

Weitere Informationen finden Sie im BAUHAUS Ratgeber Aussenwände dämmen.

Bei der Dämmung von Kellerdecken, also von der Kaltseite her, werden Dämmplatten mit Hilfe eines Spezialmörtels vollflächig von unten an die Decke geklebt. Um Wärmebrücken zu vermeiden, müssen die Platten lückenlos aneinander stossen und so versetzt werden, dass keine Kreuzstösse entstehen. Das Dämmmaterial sollte mindestens zwölf Zentimeter dick sein. Jeder zusätzliche Zentimeter bringt jedoch einen besseren Wärmeschutz bei nur geringen zusätzlichen Materialkosten.

Weitere Informationen finden Sie im BAUHAUS Ratgeber Kellerdecke dämmen.

Auch alte Fenster verlieren viel zu viel teuer erzeugte Heizwärme. Fenster mit modernem Wärmedämmglas sind hingegen exzellente Wärmedämmer. Wenn die Rahmen gut erhalten sind, lohnt sich bereits ein Austausch der alten Glasscheiben. Oder Sie erneuern gleich das ganze Fensterelement – gerade wenn sowieso Renovierungsmassnahmen anstehen.

Weitere Informationen finden Sie in den BAUHAUS Ratgebern Fenster austauschen und Kellerfenster austauschen.

Tipp

Begriffe rund ums Dämmen

Baustoffklasse (gemäss DIN 4102)

Baustoffe werden nach ihrem Brandverhalten in Baustoffklassen eingeteilt: A = nicht brennbare Baustoffe; A1 und A2 = nicht brennbare Baustoffe, die die Feuerwiderstandsdauer von Bauteilen verlängern; B = brennbare Baustoffe; B1 = schwer entflammbar; B2 = normal entflammbar; B3 = leicht entflammbare Baustoffe.

Blower-Door-Test

Um die Luftdichtheit eines Hauses festzustellen, wird das Differenzdruck-Messverfahren, auch Blower-Door-Test, angewendet: Ein Ventilator mit einem Folienkragen drückt Luft in das Gebäude hinein oder saugt sie heraus. Abhängig vom Luftvolumen des Gebäudes ergibt sich ein Vergleichswert, die Luftwechselzahl. Sie dient zur Berechnung der unnötig entweichenden Energie und sollte bei Gebäuden mit Lüftungsanlagen nicht grösser als 1,5 sein und bei Gebäuden ohne Lüftungsanlagen nicht grösser als 3.

Dämmstoffe

Als Dämmstoffe werden Baustoffe mit geringer Wärmeleitfähigkeit genutzt: Je nach Einsatzort werden dampfdichte oder diffusionsoffene Dämmkonstruktionen ausgeführt. Auch die Schall- und Trittschalldämmung sowie das Brandverhalten spielen eine wichtige Rolle bei der Auswahl des geeigneten Dämmstoffs. Erhältlich sind Platten, Rollen, Matten, Vliese oder loses Material für Schüttungen. Dämmstoffe bestehen aus geschäumten Kunststoffen, Mineralwolle oder organischen Substanzen (Zellulose, Kork, Holz, Schafwolle, Hanf, Flachs, Seegras usw.).

Dampfsperre/Dampfbremse

Eine Dampfsperre verhindert das Wandern feuchter Luft durch ein Bauteil. Da Wasserdampf immer vom Warmen zum Kalten fliesst, wird die Dampfsperre zwischen der Innenverkleidung und der Dämmschicht angebracht. Wasserdampf kann nicht in die Dämmung gelangen und dort kondensieren, Feuchteschäden werden verhindert.

Energetische Sanierung

Die energetische Sanierung umfasst alle Massnahmen, die zur Senkung des Energiebedarfs, insbesondere des Heizenergiebedarfs, beitragen. Dazu zählen die Dämmung von Fassaden, Dach und Keller und der Ersatz von Fenstern und Haustüren gemäss den Bestimmungen der Energieeinsparverordnung. Weitere Massnahmen zur Senkung des Energiebedarfs sind die Sanierung der Heizungsanlage, der Einsatz von Solarthermie und energieeffizienten Elektrogeräten, kontrollierte Wohnraumlüftung und generell energiebewusstes Verbrauchsverhalten.

Energieausweis

Die Energieeinsparverordnung verpflichtet Eigentümer, einen Energieausweis zu erstellen.  Der Energieausweis kann als Verbrauchs- oder Bedarfsausweis ausgeführt werden und stellt eine Bewertung des Gebäudes unter energetischen Aspekten dar.

Heizwärmebedarf (kWh/m_a)

Der Heizwärmebedarf in kWh/m_a gibt an, wie viel Energie pro Jahr aufgewendet werden muss, um die beheizten Räume eines Hauses zu erwärmen. Nicht eingeschlossen sind der Energiebedarf für die Warmwasserbereitung und die Kühlung im Sommer. Bei der Berechnung wird nur die Grundfläche der beheizten Räume einbezogen, also zum Beispiel keine Kellerräume.

U-Wert

Der U-Wert, früher k-Wert, beschreibt die aufgrund der Wärmeleitfähigkeit eines Bauteils möglichen Wärmeverluste. Gemessen wird die Wärmemenge, die innerhalb einer Stunde durch einen Quadratmeter Bauteilfläche fliesst, wenn sich die Temperatur der Luft auf beiden Seiten um 1 Kelvin unterscheidet. Je kleiner der U-Wert ist, umso effektiver ist die Wärmedämmung des Bauteils.

Wärmebrücke

Als Wärmebrücke werden Bereiche eines Gebäudes bezeichnet, durch die Wärme schneller nach aussen transportiert wird, als durch angrenzende Bereiche. Wärmebrücken treten häufig an Bauteilen wie Balkonen, Mauersohlen, Heizkörpernischen, Rollladenkästen, Fensterrahmen und -stürzen oder Deckenanschlüssen auf.

Wärmedämmung

Wärmedämmung ist der Sammelbegriff für alle Massnahmen, die dazu dienen, die Abgabe von Wärmeenergie an die Umgebung mit Hilfe von Dämmstoffen zu reduzieren. Dazu zählen die Dämmung von Aussenwänden, Geschossdecken, Böden, Keller, Dach, Fenster- und Türfugen.

Wärmedämmverbundsystem

Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) zur Dämmung von Aussenwänden besteht aus dem Dämmstoff, einer Armierungsschicht und einem Aussenputz. Als Dämmmaterial werden Mineralwolle, Polystyrol- oder Polyurethan-Hartschaum, Vakuumdämmplatten und natürliche Baustoffe wie Holzfasern, Kork, Hanf oder Schilf verwendet.

Wärmeleitfähigkeitsgruppe

Die Wärmeleitfähigkeitsgruppe (WLG) gibt die Durchlassfähigkeit eines Dämmstoffs für einen Wärmestrom an. Dämmstoffe mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,025 W/mK werden in WLG 025 eingeordnet. Je kleiner die WLG-Einstufung ist, umso besser ist die Wärmedämmung.